Tiora

TRIORA: Biaggios Trauma

Biaggio Verando Cagna steigt langsam die Gassen seines Heimatortes Triora empor. Mit seinen 85 Jahren fällt es ihm zunehmend schwer, sich von seiner Holzcantina die Stufen der Via del Ponte zu seinem Haus zu schleppen.Und dann bei diesem Schnee! Es ist ja auch wieder einmal ein besonders strenger Winter, ein Winter so schlimm wie damals 1587, ein Winter, der alles verändert hatte! „Weg mit den Gedanken daran“, murmelt er vor sich hin.

Denn trotz der Mühsal seines hohen Alters und der schrecklichen Erinnerungen hat der alte Biaggio seinen Lebenswillen noch nicht eingebüßt. Er freut sich auf den Abend am knisternden Feuer mit einem großen Becher Tee. Die Kräutermischung dazu hat er sich als ehemaliger Farmacista des Ortes nach einem seiner Spezialrezepte selbstverständlich selbst zusammengestellt. Ja, ja, seine Kräuter würden auch in diesem Winter seine nachlassenden Kräfte stärken!

Nun, gegen die Alterserscheinungen der Menschen hatte er immer etwas tun können, aber es gab Dinge, gegen die kein Kraut gewachsen war – nichts konnte die Erinnerungen an die furchtbaren Ereignisse dieser Zeit vertreiben. Er konnte tun, was er wollte.

In seinem kleinen, aus Bruchstein erbauten Haus angekommen, versorgt Biaggo die schwache Glut im Kamin. Die Flammen verzehren das aufgelegte Holz, sie breiten sich aus, schlagen höher und höher.Und da sind sie wieder, die furchtbaren Bilder. Er hört Menschen schreien, sieht Blutlachen auf dem Boden der Piazza und riecht den Geruch von verbranntem Fleisch. Die verzweifelten Hilferufe lassen ihn nicht mehr los. Er weint bitterlich. Seit 45 Jahren schleppt er dieses Trauma nun mit sich herum.

„Ja, so ist das eben,“ schluchzt Baggio „nur noch wenige erinnern sich an die Geschehnissen von damals. Und wer noch etwas weiß, spricht nicht mehr darüber.“ In solchen Stunden fällt dem alten Mann alles wieder ein.Seine Gedanken überschlagen sich. Immer wieder…!!!

Damals war er 40 Jahre alt gewesen. Und es ging ihm gut in seinem Dorf. Seine kleine Farmacia konnte ihn ernähren, zumal er auch noch einen Gemüse- und -Kräutergarten hatte. Alle kamen sie zu ihm -mit ihren Wehwehchen, Blessuren und auch ernsthaften Erkrankungen! Obwohl er ihnen sicherlich seltsam vorkam. Denn er war schon ein Sonderling, so ohne Frau und Kinder! Und überhaupt, diese fixe Idee mit der heilenden Kraft der Kräuter! Auch hatte er doch eigenartige Ansichten aus fernen Ländern mitgebracht, als er nach längerer Abwesenheit aus der Levante in die kleine Stadt zurückkam. Schon oft hatte es deswegen laute Auseinandersetzungen mit dem Pfarrer gegeben. Aber seine Kräutermedizin konnte viele Krankheiten heilen. Und so kamen sie doch, die Leute aus Triora und Umgebung. Bis zu jenen Tagen!

Damals waren die Winter plötzlich grausam hart geworden, viel härter als sonst und auch bedeutend länger. So kam es allen wenigstens vor! Aber ohne Zweifel – die letzten Winter waren wirklich besonders schlimm gewesen. Das sagten auch die Alten im Dorf! Solch eine anhaltende Kälte hätten auch sie noch nicht erlebt. Dieser furchtbare Frost, der alles im Dorf erstarren ließ!

Aber noch schrecklicher war der Hunger. Zunächst hatte er nur die Armen getroffen, aber mehr und mehr hatten auch die wohlhabendere Leute zu leiden.

Die Sommer waren nasskalt gewesen, so dass viele Kornähren schon am Halm verfault waren. Die Ernten waren entsprechend schlecht gewesen. Schon über Jahre ging das nun so. Der Preis für Brot war ins Unerschwingliche gestiegen und an Fleisch war für die meisten überhaupt nicht mehr zu denken! Dazu kam, dass im Jahre des Herrn 1579 auch noch die Pest ausgebrochen war.

Natürlich war es richtig gewesen, dass die Behörden deshalb alle Ortschaften verpflichtet hatten, ihre Straßen zu bewachen, damit kein Fremder die tödliche Krankheit einschleppen konnte. Auf jeden Fall musste das Eindringen der Seuche verhindert werden! Kein Unbekannter sollte auch nur in die Nähe der Dörfer und Städtchen kommen.

Das wiederum hatte den Handel mit Nahrungsmitteln fast unmöglich gemacht. Die Vorräte waren verbraucht. Sogar die letzten Zugtiere waren geschlachtet worden. Der Hunger war unerträglich und die Menschen litten. Man aß alles: verfaultes Fleisch und verwesenden Fisch, gekochtes Gras, Mäuse sowie Katzen und Hunde. Es kam zu Krankheiten mit hohem Fieber und grausigen Blutflecken. Davon hatte niemand im Dorf bisher auch nur gehört! Die Kindersterblichkeit war unendlich angestiegen. 

In diesem Klima der bittersten Not gediehen natürlich Aberglaube und Zwietracht. Wer war verantwortlich für dieses Elend? Hatte Gott hatte sich von den Menschen abgewandt? Oder waren da dunkle Kräfte im Spiel? Wer und wo waren diese unheilvollen Mächte im Dorf? Der Argwohn unter den Dorfbewohnern wuchs, niemand vertraute noch dem Anderen.

Zu ihm, dem früher doch so anerkannten Heiler, kamen schon seit einiger Zeit kaum noch Hilfsbedürftige. Warum? Man tuschelte jetzt über ihn und seine Mixturen aus Kräutern und dubiosen Essenzen. War er doch im Orient gewesen – bei den Muselmanen! Wer weiß, ob er nicht Exkremente und abgeschnittene Körperteile in seine Tinkturen mischte. So etwas war denen, den Muselmanen-Freunden, allemal zuzutrauen! So dachten nun viele Leute! Und mit dem Dorfarzt Lucillo hatte sich Biaggio auch schon zerstritten, weil ihm dieser Quacksalberei vorgeworfen hatte. Ausgerechnet der! Nein, bei ihm kauften sie nicht mehr!

Der alte Mann legt ein weiteres Holzscheit in das Feuer. Die Wärme tut ihm gut. Nicht nur gegen ihn hatte sich die feindliche Stimmung im Dorf gerichtet, erinnert er sich.

Inzwischen war auch diese kleine Gruppe von Frauen ins Visier einiger Männer geraten: trafen sich diese Weibsbilder nicht täglich am Waschplatz und schwatzten so geheimnisvoll? Es gab so einige, die den Frauen alles mögliche, unmoralische Teufelszeug andichteten. Daher musste das Unglück doch kommen! Die Leute suchten nach Gründen für ihr Elend!

Sie forderten von den Stadtoberen klärende Auskunft und Erlösung von dem Übel.Und diese gerieten aufgrund ihrer eigenen Unkenntnis immer mehr unter Druck. Biaggio wusste das. Schließlich hatte er gesehen, wie selbst der sich sonst  so schlau gebärdende Gemeindevorsteher Stefano Carrera den bohrenden Fragen der Bevölkerung ausgewichen war. Lange konnte das nicht gut gehen! Irgendwer ist schließlich immer der Böse im Land!

Und so verwunderte es Biaggio auch nicht, dass auf einmal  Gerüchte über höhere, böse Mächten im Dorf grassierten. Hexerei solle am Werk sein. Das musste so schnell wie möglich aufgedeckt werden! Es wurde sogar die Summe von 500 Scudi für Hinweise auf praktiziertes Hexenwerk ausgesetzt. Eine hohe Summe für ein wenig Getratsche und ein wenig Verdächtigen! Darüber hinaus hatte Stefano Carrera schriftlich um Unterstützung durch die Heilige Inquisition in Genua nachgesucht. Und damit war der Damm gebrochen!

Biaggio erschauert bei dieser Erinnerung und legt einen weiteren knorrigen Ast in die Glut.

Genua schickte tatsächlich umgehend den Priester Giorlano del Pozzo,der nach einwöchiger Reise im November 1587 in Triora eintraf. Auch Biaggio war damals in der Pfarrkirche gewesen, als der wortgewaltige Gottesmann schon am ersten Sonntag in der Messe gegen alles Verderbte und gegen die Ungläubigkeit donnerte. Das bestehende Elend, auch das der vergangenen Zeiten, wurde als Strafe Gottes benannt. Es wurde still im Gotteshaus und die Menschen blickten verängstigt zu Boden, als del Pozzo Häresie, Unzucht und Hexerei anprangerte, die sich ganz offensichtlich auch hier in der kleinen Stadt Triora ausgebreitet hätten. Es konnte einfach keinen anderen Grund dafür geben, dass Gott die Bevölkerung so grausam strafte. Jeder sei verpflichtet, Meldung über ungewöhnliche und verdächtige Vorfälle zu machen!

Und auf einmal erinnerte sich der eine oder die andere daran, Auffälligkeiten bei dieser oder jener Person und bei jener und dieser Gelegenheit beobachtet zu haben.

So fragte sich der Schmied Carmelo, ob er nicht gesehen hatte, wie die Mazurella letzten Sonntag beim Verlassen der Kirche in das Weihwasserbecken gespuckt hatte.

Oder aber die Rosella! Die konnte darauf schwören, dass ihr Mann von dieser Hure Maria verhext worden sei. Er war doch seit einiger Zeit so nachlässig gegenüber ihr geworden!

So fand ein jeder in den Abgründen seiner Seele einen Menschen, den er verachtete, den er beneidete oder auf den er eifersüchtig war. Und so fiel der Samen des kirchlichen Wortes auf fruchtbaren Boden.

Biaggio ahnte Schlimmes, als man dann auch noch öffentlich dazu aufrief, diese Sünder, Schädlinge und dieses Geschmeiß, die das Wirken Christi mit ihrem schändlichen Tun besudelten, umgehend zu melden. Es seien ja auch die ausgesetzten 500 Scudi noch zur Auszahlung bereit!

Nach der Messe verließen die Menschen die Kirche bedrückt, mit gesenktem Haupt und grußlos. Auf dem Kirchplatz zerstreute sich die Gemeinde schnell und man verschwand in den Gassen des Dorfes. Biaggio konnte sich noch gut erinnern,  dass er noch einige Worte mit der Signora Stella, die ihn beim Verlassen des Kirchplatzes angesprochen hatte, gewechselt hatte. Sie war noch eine der wenigen Bewohner Trioras, die Kontakt zu ihm pflegten. Vielleicht weil sie aus der vornehmeren, gebildeteren und wohlhabenderen Schicht der Bevölkerung stammte, hatte sie sich sowohl das Geld für Medizin als auch die Toleranz für seine Person und seine Lebensführung bewahrt. Biaggio mochte sie.Mehr Kontakt hatte er allerdings nicht in die Kreise um die Signora. Er blieb lieber für sich und bei seinen Studien der Pflanzenkunde und Botanik.

Biaggio nimmt einen tiefen Zug aus seinem Becher. Er erinnert sich.

Ja, die Pflanzenkunde, das war sein Leben gewesen. Damals war er auf einem Schiff der Genueser Handelsflotte als einfacher Matrose angeheuert, hatte sich dann aber nach einem Streit mit dem Kapitän abgesetzt und mehrere Jahre in Syrien und Ägypten aufgehalten. Dort war er mit dem großen Werk des im Orient berühmten Ibn al-Baitar in Kontakt gekommen. Für ihn war dessen Buch mit der Beschreibung von über 1.400 Pflanzen und den daraus zu gewinnenden Rezepturen die Grundlage seines zukünftigen Berufes geworden. Das, was über die Klöster verbreitet wurde, war nichts im Vergleich zum Lebenswerk dieses großen Mannes. Dieser Mensch , der ja seit mehr als dreihundert Jahren tot war, wurde sein großes Vorbild. Ihm eiferte er nach. Immer mehr vertiefte er, ja verkoch er sich in das Studium der Heilpflanzen und der daraus gewonnenen Drogen. Mag sein, dass er sich so zu einem Sonderling entwickelt hatte. Aber das war nun einmal sein Leben geworden.

Nun, Signora Stella war schon lange seine Patientin. Heimlich! Denn der Doktor Lucillo wollte – wohl auch um des eigenen Vorteils Willen – besonders die zahlungskräftigen und hochgestellten Kranken nicht an solch einen „Quacksalber“ wie ihn verlieren.

Biaggio schmunzelt: natürlich waren damals viele Hilfsbedürftige immer noch zuerst zu ihm gekommen. Und nicht zu diesem Scharlatan Lucillo! So wie die Signora Stella! Der Tee tut  gut,denkt er.

Signora Stella litt an Gliederschwamm und hatte ihn aus diesem Grund damals auf dem Kirchplatz flüsternd gebeten, für sie noch einmal diese lindernde Salbe gegen Gelenkschmerzen anzusetzen. Sie gingen deshalb zügig die schmale Gasse zu seinem Haus hinunter. Dabei unterhielten sie sich über die gerade gehörte Predigt. Signora Stella teilte Biaggios Befürchtungen, dass der Aufruf zur Denunzierung verheerende Folgen haben könnte: solange Krankheiten und Naturereignisse als Strafe Gottes oder Werk des Teufels gesehen wurden, musste es nach der christlichen Logik auch Menschen geben, die dies zu verschulden hatten oder Gott erzürnt hatten. 

Aber er – Biaggio – hatte mit seinem geschärften Beobachtungssinn andere Zusammenhänge entdeckt: welche Folgen  hatten wohl die katastrophalen Lebensbedingungen bei den Ärmsten der Armen? Dort  unten im Dorf wohnte man ohne Wasserstelle in engsten Verhältnissen mit vielen Familienangehörigen, dem Vieh und den Ratten unter einem Dach. In der Fleischergasse stank es bestialisch nach verfaultem Fleisch. Die Blut- und Schleimreste sickerten in den Boden. Und das Trinkwasser kam aus dem Brunnen ganz in der Nähe! Aber darüber durfte man nicht sprechen und vor allem nicht die Worte der Kirche anzweifeln. Insofern waren Biaggio und Signora Stella sehr darauf bedacht, von niemandem gesehen und gehört zu werden. Der kleine Tiegel mit der Salbe wechselte daher schnell in die Hände der Signora – in dem Moment, als oben im zweiten Stock des Hauses eine Diele knarrte. Hatte sie jemand belauscht und heimlich beobachtet?Biaggio hatte nicht sofort nachgeschaut. Das war vielleicht einer der größten Fehler seines Lebens gewesen.

Der alte Mann nimmt einen weiteren Schluck seines köstlichen Kräutertees .Doch auch der vertreibt nicht seine Schuldgefühle. Hätte er doch damals nachgeschaut! Aber er hatte nicht damit gerechnet, dass die Volksseele schon so vergiftet war.

Am darauffolgenden Tag sollte eine Zeit des Schreckens und Grauens beginnen,die sich niemand auch nur in den schlimmsten Träumen hätte vorstellen können. Diese Zeit würde Liebende entzweien, Familien zerstören und Freundschaften auslöschen. Es sollte die grausigste Zeit des Dorfes und der ganzen Region werden.Die Menschen würden noch mehr als ein halbes Jahrhundert danach daran denken.

Er hatte  sich schon am frühen Morgen aufgemacht, um Kräuter zu sammeln und ein wenig Holz zu suchen.Da Biaggio dafür in den Olivenhain gehen wollte, musste er durch das Dorf. Auffällig, dass schon so viele Leute in die Pfarrei und zum Amt gingen oder auf der Piazza warteten. Die meisten von ihnen wirkten verschüchtert. Einige hatten ihr Gesicht tief im Mantel vergraben, mit hochgeschlagenem Kragen.

Ab der Mittagszeit sah man dann den Richter in Begleitung des Priesters del Pozzo und einigen Häschern, die man diesem aus Genua mitgegeben hatte, durchs Dorf streifen. Nach kurzer Zeit waren schon  zwanzig Frauen verhaftet worden und schnell wurden es vierzig. Denn auch in den naheliegenden Dörfern war Hexerei und Zauberei gemeldet worden. Auf so viele Personen war natürlich das Gefängnis nicht eingerichtet. Und so wurden kurzerhand Privathäuser, deren Kellergewölbe und Dachgeschosse in Gefängnisse umgewandelt.Eines dieser Häuser war das Ca` de Baggiure. 

Das ganze Dorf war in Aufruhe und es wurde viel getratscht und getuschelt.Jeder hatte etwas gesehen oder gehört.Aber neben Furcht war auch Erleichterung darüber zu spüren, dass nun endlich,endlich etwas passierte. Denn so konnte es ja nicht weitergehen. Ganz groß das Wort führte der Unterpräfekt Garlindo: er sei sehr froh, dass nun endlich hart  durchgegriffen würde. Er hätte es doch immer gewusst, dass es da am Brunnen nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Die Frau des Barbiers, die alte Bettlerin Franca, die Schwester des Fleischers und noch zwei weitere weibliche Subjekte hatte er höchst persönlich beobachtet, wie sie sich dort doch sicherlich zu einer Hexerei verabredetet hatten. Und tatsächlich hatte auch jemand die Francesca um Mitternacht auf dem Besen reiten gesehen. Die alte Franca hatte den bösen Blick, das wusste jeder. Sie hatte es doch immer den jungen Frauen geneidet, dass diese Kinder hatten. Sie selber war ja zeitlebens kinderlos geblieben. Man wusste auch von einer jungen Frau, die im Kindbett gestorben war, nachdem sie Kontakt mit dieser alten Hexe hatte. Das passte alles zusammen, denn so einer wie der Francesca schenkt Gott keine Kinder. Vermutlich war sie auch am Tod vieler Kinder beteiligt. Endlich konnte das auch mal gesagt werden und hatte entsprechende Folgen. Und dass die schöne Mazurella Unzucht mit dem Teufel trieb, war doch sowieso schon lange bekannt. Dabei hatte sie doch so einen netten Verlobten!

Biaggio schürt das Feuer im Kamin. Ja, so war das damals gewesen! Er war dabei gewesen!

Unter den weiteren Angeschuldigten waren auch vier junge Mädchen und ein kleiner Junge. Die Denunziationen machten vor niemandem halt. Sogar Mitglieder einflussreicher Familien und selbst Adelige wurden denunziert und verschleppt. Das war kein Wunder, denn es gab so manche, die miteinander ein Hühnchen zu rupfen hatten. Hass, Neid und Missgunst taten in den kommenden Monaten ihr Übriges. Und so verschwanden viele in Verliesen und Kellerräumen.

Voller Scham erinnert sich Biaggio, dass auch er sich aus lauter Furcht vor der Inquisition von diesen Orten ferngehalten hatte. 

Aber dennoch musste er eines Tages am Haus des Böttchers Alfredo vorbeigehen. Es war seltsam still im Haus gewesen. Nur hinter dem Tor der Werkstatt vernahm Biaggio ein Wimmern und Stöhnen. Was ging da vor? Ihn überkam ein seltsames Gefühl von Neugier und Furcht. Also ging er näher heran. Und nun konnte er die sonore Stimme des Priesters del Pozzo erkennen. Aber was sprach der da? Er hörte Wortfetzen aus Gebeten, Beschwörungen, aber auch Beschimpfungen und Beleidigungen. Und dann war da auch dieses Jammern und Wehklagen. Durch einen Spalt in der Tür konnte Biaggio erkennen, was ihm schier den Atem verschlug – eine Frau ,welche nur spärlich mit einem Hemd bekleidet und an  Händen und Füßen gefesselt war. Man hatte sie an einem Seil hochgezogen, so dass die Füße nur eben den Boden berührten. Daneben stand einer der Häscher der Gemeinde mit einer Rute und prügelte auf die arme Seele ein. In diesem Moment fiel ein Lichtschein auf das Gesicht der Frau und Biaggio wich erschrocken zurück. Nein, nein… das konnte doch nicht wahr sein! Das war Signora Stella!!! Das Hemd der armen Frau war bereits am Rücken zerrissen und blutverschmiert. Die Haare hingen ihr wirr ins Gesicht. Biaggio starrte gebannt und fassungslos auf das Folteropfer. Er erschrak gewaltig, als der nächste Hieb niederging. Die Signora stöhnte markerschütternd auf. Was konnte ihr denn vorgeworfen werden? Alle wussten doch, dass sie ein redliches Leben führte. Die Angst kroch in ihm hoch und er hörte, wie der Priester immer wieder rief: „Gestehe, gestehe Sünderin, d

Nordeuropäer auf der Jagd nach Immobilien in der Altstadt von Ventimiglia

Der Immobilienmarkt in der Gegend des -hoffentlich bald fertig gestellten- neuen Hafens vor der Altstadt von Ventimiglia, boomt- vor allem wegen der starken Nachfrage von nordeuropäischen Interessenten,insbesondere von Investoren aus Norwegen,der Schweiz,aus Holland. Preise variieren z.T. zwischen 800-3000 € für den Quadratmeter auf der Basis des vorgegebenen Einheitspreises.

Nicht unbedingt wegen des herrlichen Blicks auf das Meer,bemerken insbesondere Maklerbüros,die seit Jahren in der Altstadt arbeiten.(Ahenzie Monte Mar und Moderna)

Auslöser dieses Interesses sei sicherlich eher der Hafen,in dem unter der Leitung der monegassischen Gesellschaft „ Porti di Monaco“ nun endlich die Arbeiten zügig weitergeführt werden.Auch die Restaurierung der Infrastruktur des historischen Zentrums scheint nach über 10 Jahren zu einem guten Ende geführt werden zu können.

Auch aus anderen Gründen ist das  das gestiegene Interesse zukünftiger Kaufinteressenten zu erklären:

Zunächt einmal wird  das große touristisch -kulturelle Potential des gesamten  Gebietes im Bereich der Altstadt von Ventimiglia  immer mehr erkannt( wobei die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien vor allem von Einheimischen und Monegassen ausgeht)

Das vorwiegende Interesse zeigt sich aber  z.Z. besonders an Wohnungen in der Altstadt. Einige wollen ein Haus zur Weitervermietung erwerben,andere möchten für Ihren Urlaub ein Zweithaus erstehen.Sicherlich häufig mit dem Gedanken,von dort aus ,die im Hafen liegende Jacht auch einmal verlassen zu können!

Zur Zeit bestehe vorwiegend Bedarf eher  kleineren Räumlichkeiten zu einem moderaten Preis,meinen fachkundige Makler.

Der Preis:abgesehen von der offiziellen Einheitspreisbewertung von 800-3000 € pro Quadratmeter ist der Marktwert  natürlich immer von der Lage und dem Allgemeinzustand der Immobilie abhängig.

Der Unterschied zwischen der einen Immobilie und einer anderen ein paar Meter weiter entfernt kann daher krass sein.Wohin sich der Markt entwickelt,sei im Moment schwer einzuschätzen.

Darüber hinaus: viel hängt auch von den Vorstellungen der derzeitigen Eigentümer ab.Die Makler warnen, die gestiegene Nachfrage solle aber potentielle Verkäufer nicht zu Preiserhöhungen veranlassen.Es fehle noch an Vielem:an den Verkehrsanschlüssen,der Fertigstellung  des Hafens und einer wirklich an den Bedürfnissen derTouristen angepasster Infrastruktur.

Personaggi Citati:

Anna Maria Beatrici Lanteri Luca Lucisano

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